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Meine Home Library: Vom Bücherwahn zum Multifunktionsmöbel

From kaostogel
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Ich habe ein Problem. Nein, nicht mit Büchern. Mit dem Platz dafür. In meiner ersten Wohnung stapelte ich Taschenbücher in Milchkisten neben dem Bett, später wanderte ein IKEA-Billy-Regal durch drei Umzüge. Irgendwann stand ich in einem 45 Quadratmeter großen Altbau-Wohnzimmer und erkannte: Eine richtige home library braucht nicht nur Regale, sondern auch einen Ort, an dem ich sitzen, lesen und gelegentlich jemanden unterbringen kann. Die Lösung kam nicht von einem Innenarchitekten, sondern von der puren Notwendigkeit: Der Raum unter dem Fenster war genau 1,80 Meter breit. Zu klein für ein normales Sofa, aber perfekt für eine Sitzbank, die eigentlich ein Bett ist. Also kaufte ich einen günstigen Lattenrost und maß selbst einen Rahmen aus MDF-Platten. Die Polsterung besteht aus einem 16 cm dicken Schaumstoff, den ich online bestellt und auf Maß geschnitten habe. Seither ist dieses Möbel das Herz meiner Bibliothek.



Wer denkt, eine home library sei nur was für Leute mit großen Wohnungen, irrt. Gerade auf kleinem Raum kann man erstaunlich viel unterbringen, wenn man jedes Möbelstück doppelt nutzt. Ich habe mir zum Beispiel ein Regal gebaut, das auf der Rückseite offen ist. Auf der einen Seite stehen Romane und Sachbücher, auf der anderen Seite habe ich Decken und Kissen verstaut. Der Clou: Das Regal dient gleichzeitig als Raumteiler zwischen Wohnzimmer und Schlafnische. Offene Regale sehen luftig aus, aber sie fressen auch Staub. Deshalb habe ich vor die unteren Fächer Türen aus Sperrholz montiert. Da drin lagern nun alle Dinge, die nicht hübsch aussehen. Im oberen Bereich stehen die Bücher, die ich täglich sehe und benutzen will. So habe ich eine funktionale home library geschaffen, die nicht nach überfülltem Buchladen aussieht, sondern wohnlich wirkt.



Natürlich kommt irgendwann der Moment, an dem man Gäste hat. Meine Mutter schlief auf der Couch, die eigentlich ein Bett war, und fand sie unbequem. Das lag am billigen Schaumstoff. Also rüstete ich um: Ich kaufte eine fertige Schlafcouch mit einer echten 7-Zonen-Taschenfederkernmatratze unter dem Stoffbezug. Dieses Ding hat ein stabiles Lattenrost im Untergestell und eine bequeme Schaumstoffauflage für den Sitzkomfort. Nachteil: Es wiegt eine Tonne. Umzug damit? Nie wieder. Deshalb setze ich heute auf ein System, bei dem ich die Sitzfläche einfach hochklappen kann. Darunter kommt ein Bettkasten. Perfekt für Bettwäsche, die sonst nirgends Platz findet. Ich selbst habe eine ausziehbare Couch mit einem echten Bettkasten und breite sie nur aus, wenn Besuch kommt. Tagsüber ist sie ein normales Zweiersofa, nachts ein vollwertiges Bett für zwei Personen.



Für meine dritte Wohnung war mir das alles zu rustikal. Ich wollte Eleganz. Also investierte ich in ein Möbelstück mit Samtpolster, tiefblau, mit goldenen Füßen. Ein Traum. Aber das Problem mit Samt ist, dass er Staub und Krümel magisch anzieht. Nach zwei Wochen sah die Sitzfläche aus wie ein getigerter Kater. Dazu kommt: Bücher brauchen einen trockenen, staubfreien Platz. Wenn ich also ein Regal direkt neben die Samtcouch stelle, saugen die Bücher jedes Fusselteilchen aus der Luft. Abhilfe schafft eine Glasvitrine. Ja, klingt altmodisch. Aber moderne Modelle mit schmalen Alurahmen wirken luftig und die Buchrücken vor dem Verblassen. Ich habe genau eine solche Vitrine neben die Couch gestellt und darin meine Lieblingsausgaben mit Ledereinband ausgestellt. Der Rest der home library besteht aus offenen Regalen aus hellem Eichenholz. Die Mischung aus offen und geschlossen gibt dem Raum Tiefe.



Der größte Fehler, den ich bei meiner ersten home library gemacht habe, war die Annahme, dass alle Bücher gleich aussehen müssen. Heute stehen bei mir dicke Wälzer neben schmalen Taschenbüchern, bunte Hardcovers neben schwarz-weißen Klassikern. Das Chaos wirkt lebendig. Um das optisch zu bändigen, gruppiere ich sie nicht nach Farbe, sondern nach Größe und lese sie auch. Das klingt banal, aber es zwingt mich, Bücher auszusortieren, die ich nie wieder anschaue. Alle zwei Jahre mache ich eine Bestandsaufnahme. Was ich gelesen habe und nicht behalten will, geht ins Tauschregal im Treppenhaus. Was ungelesen blieb, wird nach einem Jahr verschenkt. So bleibt meine home library überschaubar und ich habe Platz für Neues.



Ein echtes Problem ist die Unterbringung von Übernachtungsgästen, wenn man keine Gästekammer hat. Früher schlief mein Bruder auf einer aufgeblasenen Luftmatratze. Das war so unbequem, dass er am nächsten Tag mit Rückenschmerzen frühstückte. Ich löste das mit einer Schlafcouch, die einen Klappmechanismus hat. Man zieht die Sitzfläche nach vorne, klappt die Rückenlehne runter und schon hat man eine Liegefläche. Das Prinzip heißt Rausfallcouch und ist genial. Achte aber darauf, dass das Lattenrost nicht durchhängt. Bei meinem ersten Modell war der Lattenrost nur aus dünnen Leisten, die nach drei Monaten brachen. Heute habe ich ein System mit einem massiven Untergestell aus Multiplex. Darauf liegt eine Kaltschaummatratze mit 20 cm Höhe. Die Matratze kann man tagsüber aufrecht in einen Schrank stellen, der wie ein hoher Bücherschrank aussieht. So bleibt die Couch tagsüber schlank und nachts komfortabel.



Trotz aller Möbelstücke mit Doppelfunktion: Die Seele einer home library sind die Bücher selbst. Und die brauchen Luft. Ich habe mal gesehen, wie jemand sein Regal bis unter die Decke vollstopfte, sodass kein Zentimeter Platz zwischen den Büchern war. Das sieht zwar ordentlich aus, aber die Luftfeuchtigkeit kann nicht zirkulieren. Besonders in Altbauwohnungen mit hoher Luftfeuchtigkeit schimmeln dann die Buchrücken. Ich lasse daher immer etwa einen Daumen breit Abstand zwischen den Büchern und dem Regalboden. Das verhindert, dass Staub sich festsetzt. Ein Tipp: Stellt ein offenes Gefäß mit grobem Salz in die Regale. Das zieht Feuchtigkeit und schützt die Bücher. Klingt verrückt, funktioniert aber. Meine home library riecht jetzt nicht muffig, sondern nach Papier und ein bisschen nach Zedernholz von den Duftsäckchen, die ich zwischen die Seiten lege.



Am Ende zählt nicht die Quadratmeteranzahl der Regale, sondern wie du den Raum nutzt. Ich habe inzwischen sieben Mal umgebaut, jedes Mal neue Kombinationen aus Bett mit Stauraum, Schlafcouch und Regalsystemen getestet. Meine derzeitige Lieblingslösung ist ein schmales Bücherregal, das direkt neben einer ausziehbare Schlafcouch steht. Die Couch hat einen starken Überzug aus Baumwoll-Leinen-Mix. Der lässt sich abnehmen und bei 60 Grad waschen, was bei Samtpolster unmöglich wäre. Wer einmal versucht hat, Katzenhaare aus Samt zu entfernen, weiß, wovon ich rede. Die Mischung aus pragmatischen Lösungen und schönen Details macht meine home library zu einem Ort, an dem ich wirklich Zeit verbringe. Nicht nur zum Lesen, sondern auch zum Nachdenken, Kaffeetrinken und gelegentlichen Schlafen. Denn ein Zuhause, das dich nicht auch mal aushält, ist nur ein Büro mit Büchern.